Girokonto und Finanzen:

Allgemeines:

Unter diesem Unterpunkt findet ihr alle wichtigen Informationen zu finanziellen Themen, Unterstützungsleistungen und Ansprüche für Wohnungsgeber und Wohnungsnehmer. Unsere Informationen stützen sich auf die aktuellen Informationen der jeweiligen bayerischen Staatsministerien gleichermaßen mit unseren eigenen Erfahrungen.

Grundsätzlich gibt es für ukrainische Flüchtlinge eine Vielzahl an Möglichkeiten, Gelder zu erhalten. Viele Einnahmequellen unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Bitte beachtet, dass wir uns auf Länderebene ausschließlich auf die Leistungen des Freistaates Bayern beziehen können. Informationen zu Leistungen, welche auf Bundesebene vergeben werden, gelten selbstverständlich für die gesamte Bundesrepublik Deutschland.

Wohlstand und Einkommen Deutschland/Ukraine:

Das Durchschnittseinkommen in der Ukraine beträgt mehreren Quellen zufolge ca. 3.392,00€ bis 3.936,00€ netto jährlich. Im Gegensatz dazu liegt das Durchschnittseinkommen in Deutschland bei netto 33.732,00€. Die Einkommenssituation wie auch die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich also ca. mit dem Faktor 10. Bei Ankunft in Deutschland ist die Lebenshaltung aus Sicht eines ukrainischen Staatsbürgers/Staatsbürgerin somit 10x teurer als in der Heimat. Genau aus diesem Punkt ist es essenziell wichtig, so schnell wie möglich ein Einkommen in Deutschland zu erzielen – egal ob aus staatlicher Unterstützung oder aus beruflicher Tätigkeit.

Staatliche Unterstützung:

Asylleistungen:

Alle geflüchteten ukrainischen Staatsbürger/innen haben Anspruch auf Leistungen gemäß Asylbewerberleistungsgesetz. Der Umfang der gesetzlich geregelten Leistungen umfasst eine Vielzahl aus Kombinationen von Sach- und Barleistungen. Da wir Informationen für die private Aufnahme außerhalb Aufnahmelager mitteilen, beschäftigen wir uns hier ausschließlich mit der Gewährung von Geldleistungen. Grundsätzlich richten sich Asylleistungen immer an die „Bedarfsdeckung“. Somit können wir hier nur einen Umriss darstellen, da die Höhe der Leistungen auch von den individuellen Situationen abhängt.

Sätze nach dem Asylbewerberleistungsgesetz:

– Alleinstehender Erwachsener: 354,00€ / monatlich
– Zwei erwachsene (1 Haushalt): je 318,00€ / monatlich
– Jugendlicher ab 15: 276,00€ / monatlich
– Kind ab 7: 242,00€ / monatlich
– Kind ab 0: 214,00€ / monatlich

Wohngeld:

Wohnungsgeber:

Bei privater Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen können bei den zuständigen Landratsämtern Zuschüsse für Mehrkosten durch erhöhten Wasserverbrauch, Strom, Müll, usw. beantragt werden. In der Regel werden diese Kosten durch eine pauschale gedeckt. Wir mussten feststellen, dass die Informationslage hier aktuell dünn ist. Die Höhe des Zuschusses ist nicht von Ist-Kosten abhängig und beträgt nach unserer Recherche zwischen 50€ und 70€ monatlich pro aufgenommen Erwachsenen.

Ansprechpartner ist hier IMMER das zuständige Landratsamt. Im Moment können solche Leistungen noch nach dem Prinzip „Gegenseite Absprache“ beantragt werden.


Wohnungsnehmer:

Ukrainische Flüchtlinge können auch für private Unterkünfte ein Wohngeld (Mietkostenzuschuss) erhalten, analog der Mietübernahme für Asylbewerber. Leider sieht die Informationslage zur Höhe nicht besser aus. Wenn ihr euch als Wohnungsgeber mit den aufgenommenen Familien auf eine Mietzahlung einigt, können die Flüchtlinge hier eine Unterstützung beantragen. Diese wird nach dem Plausibilitätsprinzip genehmigt und direkt an die Wohnungsnehmer ausbezahlt. Nachfolgend stellen wir den Antrag auf Wohngeld als PDF Download zur Verfügung.

– Antrag auf Wohngeld – Mietzuschuss

Kindergeld: 

Voraussetzungen:

– Gemeldeter Wohnsitz (Nachweis durch Meldebescheinigung – Einwohnermeldeamt der zuständigen Gemeinde)
– Kind ist unter 18 Jahren (Für die Beantragung von Kindergeld über 18 Jahre informiert euch bitte bei der zuständigen Familienkasse)
– Regelmäßige Versorgung des Kindes und leben im gleichen Haushalt
– Erwerbstätigkeit eines Elternteils (Wenn noch keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen wird, Erhöhung der Asylleistungen)

Höhe: 

1.    Kind: 219€

2.    Kind: 219€

3.    Kind: 225€

Ab 4. Kind: 250€

Beantragung:

– Zuständige Familienkasse, Bayern Süd oder Bayern Nord

Bayrisches Familiengeld:

Das bayerische Familiengeld gilt als zusätzliche Unterstützungsleistung für Eltern zur Betreuung eines Kindes. 

Voraussetzungen:
– Wohnort oder gewöhnlicher Aufenthalt in Bayern
– Gleicher Haushalt
– Verantwortung für Kindererziehung
– Kindesalter zwischen dem 13. und 36. Lebensmonat (1-3 jährige Kinder, Gewährdauer maximal 24 Monate)

Höhe:

1.    Kind: 250,00€ monatlich

Ab 2. Kind: 300,00€ monatlich

Beantragung:

Landesbehörde ZBFS, Zentrum Bayern Familie und Soziales durch die zuständige Regionalstelle

Bankkonto:

Ukrainische Staatsbürger benötigen in Deutschland für den Erhalt von Leistungen/Gehalt und der Teilnahme am Zahlungsverkehr unbedingt ein Bankkonto.

Hier ergeben sich aktuell noch einige Schwierigkeiten. Die rechtlichen Voraussetzungen legt das Bundesfinanzministerium über die Bundesaufsicht für Finanzdienstleistungen fest. Banken unterliegen strengen Legitimations-/Identifikationspflichten, sowie der Pflicht zur Erfassung der steuerlichen Ansässigkeit. Ja, selbst das Bankkonto hat einen streng geregelten gesetzlichen Hintergrund!

WICHTIG: Ob mit vorliegenden Unterlagen ein Bankkonto eröffnet werden kann, liegt IMMER in der Entscheidung der Bank.

Somit ergeben sich auch unterschiedliche Handhabungen unter den einzelnen Instituten. 

Folgende Unterlagen werden mindestens benötigt: 

– Ukrainischer Reisepass oder ID-Card
– Ukrainische Steuer-ID, bzw. Identification Number
– Deutsche Adresse für Post- und Kartenversand

Idealfall:
– Aufenthaltstitel 
– Deutsche Steuer-ID
– Meldebescheinigung

Informiert Euch in erster Linie bei Eurer eigenen Bank, ob und wie eine Kontoeröffnung bereits mit ukrainischen Dokumenten möglich ist.


Als Leitlinie würden wir euch grundsätzlich die bayerischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken empfehlen. Gerade Sparkassen unterliegen einem öffentlichen Auftrag und sind erfahrungsgemäß kulanter und schneller in der Umsetzung.


Direktbanken: Auch wenn bei den Online- und Direktbanken die Gebühren niedriger sind als in den Filialbanken, raten wir euch im Moment davon ab. Sollten die Kontoinhaber Fragen haben oder Hilfe brauchen, ist eine telefonische Auskunft schon aufgrund der Sprachbarriere ein schwieriges Unterfangen. Ein Ansprechpartner vor Ort macht unseren ukrainischen Gästen hier das Leben um ein Vielfaches leichter!